Das Monster im Kuschelparadies



Labrador – typisch.
Einmal nicht aufgepasst, steht man da wie blöd.
Das intensive Einzeltraining komplett für die Katz.
Casper und seine eine „tolle“ Ideen.
Und natürlich 3 Sekunden vor mir.
Wie die Hundetrainerin zu Beginn des Einzeltrainings nach den ersten Metern treffend formulierte: Casper ist sehr selbstständig.
Zu meiner Verteidigung: Casper ist ein Gebrauchthund.
Mit 18 Wochen – also genau nach der Prägephase – kam er zu uns.
Kein treudoofes Hinterhertrotten als Welpe, kein schüchternes und suchendes Umgucken, wenn man aus seinem  Blickfeld gestolpert ist, sondern ein Labrador mit dickem Schädel, überhaupt keinem Gespür für die Länge der Leine und mit einem ballerigen Selbstbewusstsein ausgestattet, das seines Gleichen sucht.
Zu dieser unheiligen Allianz fehlt nur noch eine Zutat, die alles zum Kochen bringt: Energie!
Wie Superman folg ich durch den Park – Arm, der an der Leine hing, weit nach Vorne gestreckt, zog er mich hinterher. Drachenfliegen muss sich so ähnlich anfühlen.
So Schluss damit, Einzeltraining gebucht, fleißig geübt, Erfolge gemeinsam erarbeitet und dann voller Selbstbewusstsein im Park angekommen: Klick! Leine los! „Casper, bei Fuss.“
Cool – funktioniert. Hund nicht überholen gelassen, jede Kurve als erster genommen, jeden im Park als erster begrüßt, kurz: Es läuft.
Sonne scheint, überall Menschen, alle genießen dieses tolle Wetter, spielen Ball, liegen auf der Wiese, halten ihre Füße ins Wasser, lesen ein Buch – alle sind gut drauf, der perfekte Sommertag.
Doch dann hat Casper eine Idee: Wasser!
Jetzt ist alles vorbei. Keine Chance. Hat der Braune Wasser entdeckt, ist er nicht zu stoppen.
Platsch! Er ist im Bach mit 20 Meter Vorsprung. Zu spät.
Wie von Sinnen buckelt er los – Richtung Wiese.
Da vergnügt sich wild umschlungen ein verliebtes Pärchen.
Mit kräftigem Schütteln und nasser Nase beendet er das bunte Treiben auf der Picknickdecke.
Das ist der Moment, in dem ich am liebsten die Leine weggeworfen hätte und kopfschüttelnd dem Pärchen zugerufen hätte: „Also Leute gibt es…“
Tiefgebückt entschuldigt, den Hund eingefangen und böse Blicke nickend geerntet.
Wir sind zum Glück umgezogen.

der.sebi
(Fotograf, traue keinem Labrador, wenn Wasser in der Nähe ist)


alt


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